Geschichte

Uechi-Ryu (“Schule des Uechi”)

Kanbun Uechi erlernte im späten 19. Jahrhundert den Kung-Fu-Stil Pangai-Noon (chin. /jap. 半硬軟 “halb hart und weich”) von einem chinesischen Mönch namens Zhouzi He (auf japanisch Shushiwa) in der Provinz Fujian in China. Nach dem 10 Jahre langen Studium der Kampfkunst eröffnete er eine eigene Schule in Nanjing.
Doch nachdem einer seiner Schüler einen anderen Mann in einem Streit tötete,
kehrte er nach Okinawa zurück und schwor sich nie wieder Kungfu zu lehren.
Zurück in Japan arbeitete er als Putzmann in einer Baumwollweberei. Dort wurde er von seinem Kollegen Ryuyu Tomoyose überedet zu unterrichten. Mit neuem Mut eröffnete Uechi mit der Hilfe von Tomoyose ein Dojo in Wakayama, welches für jeden zugänglich war. Letzlich wurde der Stil zu seinen Ehren von seinen Schülern in “Uechi Ryu Karate” 上地流空手 umbenannt.

Einer seiner berühmtesten Schüler, sein eigener Sohn Kanei Uechi,
lehrte diesen Stil in Futenma und war einer der ersten Okinawaner, die Ausländer unterrichteten. Er integrierte den Stil in das Karatesystem, d.h. das Tragen von Karateanzügen und das Gürtelsystem wurden eingeführt. Die drei ursprünglich gelehrten Kata Sanchin, Seisan und Sanseryu ergänzte er um die fünf weiteren Kata Kanshiwa, Kanshu, Kanchin, Seichin und Seiryu. Außerdem fügte er dem System noch Junbi Undo, Hojo Undo, Yakusoku Kumite und Bunkai bei.
1930 hatte Kanei Uechi unter der Führung seines Vaters in Japan zu lehren
begonnen. Er trainierte 10 Jahre, dann eröffnete er seine eigene Schule in
Osaka, die er zwei Jahre lang leitete. Er kehrte dann nach Okinawa zurück,
heiratete und siedelte sich kurzzeitig als Landwirt in Nago an. Ryuko Tomoyose,
der Sohn von Ryuyu Tomoyose, lebte damals in Futenma, als er von seinem Vater erfuhr, dass Kanei auf Okinawa sei. Ryuko fand Kanei und überzeugte ihn davon zu unterrichten. Ryuko und eine Gruppe von Karateschülern bauten darauf hin ein Dōjō für Kanei und holten ihn als Lehrer nach Futenma.

Uechi-Ryu in Deutschland

Nach Deutschland kam Uechi-Ryu über Eric Bishop, einen amerikanischen Soldaten, der Uechi-Ryu in Okinawa lernte und später in Deutschland stationiert war.
Er unterrichtete ab 1982 Uechi-Ryu in Bad Kissingen. Einer seiner ersten Schüler war Andreas Haberzettl.
Nachdem Eric Bishop Deutschland wieder verlassen hat, unterrichtete Andreas Haberzettl in Bad Kissingen und später auch in Würzburg. Dort wurde unter vielen anderen auch Andreas Theuer sein Schüler.
Weitere Schüler von Eric Bishop eröffneten Dojos, u.a. in Erlangen und auch in München (1997 durch Alexander Renninger).
Wegen beruflicher und privater Veränderungen hat Alexander Renninger Anfang 2005 die Leitung des Dojos München an Andreas Theuer übertragen.

Der Stil

Der Stil den Kanbun von Zhouzi He oder Shushiwa erlernte basiert auf den Bewegungen von Tiger, Kranich und Drache. Sein Meister praktizierte zudem hartes und weiches Qigong und war bekannt für seine “Eiserne Hand”.
Welchen Kungfu-Stil er exakt in den 10 Jahren erlernte ist unklar. Alles was wir wissen ist, dass er drei chinesische Formen (型 chin. xing/jap. kata) Sanchin, Seisan und Sanseiryu und Abhärtungsübungen (Kote-kitae) mitbrachte.
Außerdem unterrichtete er chinesische Medizin, insbesondere chinesische Heilpflanzenkunde.

Anders als bei uns bekannte Stile wie Shotokan-, Goju-Ryu- oder Wado-Ryu-Karate gibt es relativ wenig Katas. Zu den drei chinesischen Hauptkatas wurden fünf Brückenkatas entwickelt, um die Schüler auf die Hauptkatas vorzubereiten. Desweiteren trainieren wir selten tiefe Stände.
Es herrscht hauptsächlich der Sanchin-Stand (Sanchin-Dachi) vor. Die Schlag- und Tritttechniken werden vorwiegend mit Finger- bzw. Zehenspitzen geübt, wobei man sich langsam an die Wucht herantastet.
Großes Augenmerk wird auf den Kreisblock (Mawashi-Uke) gelegt. Bekannt ist Uechi-Ryu für seine abgehärteten Karatekas, die durch geduldiges Üben von Kote-Kitae immer mehr Wucht widerstehen können.